Bericht von P.Rott

Auf den Spuren der Nibelungen durch den Odenwald

Unter diesem Motto führte der FN-LV Rheinland Pfalz in diesem Jahr seinen 19. Landeslehrwanderritt durch. 23 Teilnehmer trafen am Samstagmittag im Basislager in Bürstadt mit ihren Pferden und Ponys ein. Als erstes stand die Tierarztkontrolle an, hier wurde festgestellt, dass alle Pferde reittauglich sind und am nächsten Morgen an den Start gehen konnten. Die Teilnehmer waren bunt gemischt und kamen aus Hessen, NRW und aus Rheinland-Pfalz, wo es seit Jahren ein hervorragendes Ausbildungsprogramm rund ums Wanderreiten gibt. Ziel oder Aufgabe dieses Programms ist es, eine fundierte Ausbildungsgrundlage für Wanderreiter zu schaffen. Wir hatten uns dort in einem theoretischen und einem praktischen Seminar seit Anfang des Jahres auf diesen Ritt vorbereitet und waren gespannt auf die Dinge die nun folgten.

Das Lager bestand aus einer Feldküche, die zusammen mit den Essensvorräten, Gepäck und sonstigem Zubehör in zwei Trossgespannen jeden Tag zu einem neuen Quartier gefahren wurden. Die Pferde wurden unterwegs in Paddocks untergebracht, die Reiter schliefen z.T. in Zelten oder unter freiem Himmel, so wie es das Wetter zuließ. An dieser Stelle der Dank an alle, die für gutes Wetter gebetet haben, es hat geholfen. Als Quartiere dienten meist Wiesen oder Weiden, auf denen wir unser Lager aufschlugen. Bei der allabendlichen Rittbesprechung wurden die täglichen Ereignisse, die Reitstrecke sowie die Einteilung der Gruppen für den nächsten Tag besprochen. Die Gruppenzusammenstellung wechselte täglich und lag bei 4-5 Reitern, dadurch lernte man sich schnell kennen und jeder half dem anderen. Am nächsten Morgen startete die erste Gruppe um 9 Uhr, die anderen folgten im Abstand von 15 Minuten, daraus ergab sich auch die Aufgabenverteilung, die 1. Gruppe musste beim Eintreffen im Lager in der Küche helfen, die Zweite beim Spülen, die Dritte holte Feuerholz und die Letzte half morgens beim Abbau des Lagers.

Das Wichtigste beim Wanderreiten ist die Reittauglichkeitserhaltung des Pferdes. Deshalb wurden die Pferde jeden Morgen um 7 Uhr den Ausbildern und Gruppenführern vorgestellt, hier wurden Gangwerk, Rücken und Allgemeinzustand des Pferdes überprüft und auf einer Checkkarte eingetragen. Die tägliche Reitstrecke lag bei ca. 30 km und führte uns am ersten Tag aus der Rheinebene hinauf zum Schloss Auerbach und dann weiter nach Hochstätten. Das Geläuf war recht unterschiedlich und so ging es die ersten drei Tage bergauf bergab durch herrliche Wälder und Täler bis tief in den Odenwald. Unterwegs bekam jeder Teilnehmer die Möglichkeit, verschiedene Aufgaben wie Kartenlesen oder Gruppeführen wahrzunehmen. Die Strecke war so geplant, das man hier und da die Zivilisation in Form von Wirtshäusern oder Kiosken streifte um dort die Mittagsrast zu halten. Für die Pferde wurden auf saftigen Wiesen immer mal Fresspausen eingelegt. Am Lager angekommen wurden zuerst die Pferde versorgt und anschließend das Nachtquartier hergerichtet. Danach traf man sich, um eines der herrlichen Abendessen zu genießen, die unsere Küchenfee gezaubert hatte. Es gab unter anderem Odenwälder Handkäs mit Musik, Chinesisches, Rahmgeschnetzeltes oder Lachs in einer leckeren Sauce.

Um Pferden und Reitern ein bisschen Ruhe zu gönnen wurde am vierten Tag im Mossautal ein Ruhetag eingelegt. Die Pferde wurden am Morgen sehr gründlich untersucht denn bei dem ein oder anderen konnte man die Anstrengungen der letzten Tage feststellen. Nach dem anschließenden Frühstück stand ein Schwimmbadbesuch an, hier konnte man sich endlich mal wieder Duschen ( Böse Zungen behaupten, man habe das Schwimmbad anschließend wegen Reinigungsarbeiten geschlossen ). Im weiteren Tagesablauf stand noch eine Brauereibesichtigung mit einstündiger Verköstigung oder faulenzen an, aber da dies ein Aktivurlaub war, gingen wir "notgedrungen" mit zur Brauerei. Der Abend gestaltete sich dementsprechend lustig, die eigens ins Leben gerufene Laienspielgruppe führte uns die Nibelungensage auf und beim nachfolgenden Rittgericht wurde für diverse Verfehlungen unser Abschlußbuffet mit Sekt, Schokoladentorte o.ä. aufgefüllt.

Der Ruhetag war vorbei und den Pferden konnte man anmerken, dass sie wieder Kraft gesammelt hatten. So ging es die nächsten drei Tage weiter über Feld und Wald, an so bekannten Orten wie dem Siegfriedbrunnen, Lindenfels oder dem "weltberühmten" Wedekind-Denkmal vorbei. Sozusagen den kulturellen Höhepunkt bildete der Ritt ins Schloss Auerbach, es war ein beeindruckendes Gefühl in die alten Mauern einzureiten. Das letzte Stück der Etappe führte uns wieder hinab in die Rheinebene wo uns kilometerlange sandige Waldwege zum auflockernden Traben einluden, unsere Pferde waren immer noch fit. Am Basislager angekommen gab es erst einmal einen Begrüßungstrunk für die Teilnehmer, wir waren stolz auf unsere Pferde und hatten am Abend einiges zu feiern. Der Tierarzt war auch schon angereist und unterhielt uns am Teelichter-Lagerfeuer mit seiner Gitarre bis zum frühen Morgen.

Am Sonntag nach dem Frühstück kam noch einmal Spannung auf - die Nachuntersuchung. Der Tierarzt sah in die Checkkarten und ließ sich jedes Pferd im Schritt und Trab auf Asphalt vorführen, besondere Beachtung fanden auch Rücken, Sattellage und der Allgemeinzustand. Von den angekommenen Pferden bestanden alle die Nachuntersuchung, lediglich zwei Pferde fielen unterwegs wegen Lahmheiten aus. Bei der abschließenden Verleihung der begehrten Plaketten bekamen wir nochmals ein Lob für den guten Zustand unserer Pferde nach einer anspruchsvollen Strecke von 185 Km. Auch wir bedankten uns bei Ruth Arnold und Manfred Weick für die tolle Vorbereitung und Organisation dieses Rittes und natürlich bei unserer Küchenfee Karin und Trossfahrer Jürgen.

Fazit - Es war zwar hier und da etwas anstrengend, aber wir werden auch im nächsten Jahr wieder mitreiten, dann geht es durch den Wester(n)wald. Infos zu dem Ausbildungsprogramm Wanderreiten des LV Rheinland-Pfalz geben wir gerne weiter.

Fotos vom Wanderritt: